Oberflächenkonditionierung von indirekten
und semi-direkten Restaurationen
unmittelbar vor der Befestigung:
23 Empfehlungen eines Expertengremiums
Die Oberflächenkonditionierung für die
adhäsive Befestigung von dentalen Restaurationen
umfasst mechanische und
chemische Vorbehandlungsschritte. Die
Qualität dieser Schritte entscheidet maßgeblich
darüber, wie dauerhaft eine Restauration
haftet. Dennoch ist dieser Prozess in der Praxis
weit weniger standardisiert als wünschenswert, weshalb
die vorliegende Studie die Bedeutung der korrekten Arbeitsabläufe
bei der adhäsiven Befestigung von Restaurationen
untermauert.
Bei der mechanischen Vorbehandlung durch Korundstrahlen
werden Schleifpartikel auf die Restaurationsoberfläche
gestrahlt. Restaurationen aus Zirkonoxid,
Legierungen, PEEK und Polymeren (PMMA, Komposite)
sollten grundsätzlich vor der Befestigung korundgestrahlt
werden. Die Parameter müssen dabei stets materialspezifisch
angepasst werden, da eine unsachgemäße Anwendung
durch Mikrorisse und Oberflächenbeschädigungen
die Biegefestigkeit beeinträchtigen kann. In der Praxis
wird meist Aluminiumoxid in Korngrößen von 25–250 μm
verwendet, bei einem Druck von bis zu 1,2 MPa (bei
Zirkonoxid nur 0,1 MPa), einem Abstand von 5–10 mm und
einem Winkel von 45° zur Restauration. Je nach Partikelgröße
und Druck lässt sich die Oberfläche reinigen, vergrößern
und ihr Rauheitsprofil verändern. Diese Rauheit
ist entscheidend für den mechanischen Verbund und verbessert
zugleich die Benetzbarkeit mit Adhäsivsystemen.
Im Anschluss erfolgt die chemische Vorbehandlung mit
einem geeigneten Adhäsivsystem, um eine dauerhafte
Haftfestigkeit zu gewährleisten.
Wie ist die Untersuchung aufgebaut?
Im ersten Schritt wurde eine anonyme Querschnittsbefragung
unter 267 Teilnehmenden (Zahnärzte, Zahntechniker,
Zahnmedizinische Fachangestellte) aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz von April bis Juli 2023
durchgeführt. Mit insgesamt 47 Fragen zur Oberflächenkonditionierung
und zu Befestigungsprotokollen wurden
Wissen und Anwendungspraxis der Teilnehmenden erfasst.
Auf Basis dieser Ergebnisse erarbeitete ein Expertengremium
aus 23 Fachleuten 23 praxisrelevante Empfehlungen
für allgemeine und materialspezifische Oberflächenkonditionierung
bei der adhäsiven Befestigung
von Restaurationen.
Was zeigt die Umfrage?
Die Ergebnisse zeigen, dass Korundstrahlen in der Praxis
weit verbreitet ist: Fast alle Teilnehmer (96 %) verfügen
über ein Gerät, und über 94 % gaben an, Aluminiumoxid
zu verwenden. Über 87 % der Befragten haben bereits
praktische Erfahrung mit dem Korundstrahlen von Aluminiumoxid
gesammelt, knapp ein Viertel wendet es täglich
mehr als viermal an. Gleichzeitig gaben zwei Drittel (66 %)
an, nie eine formale Einweisung erhalten zu haben. Die
Mehrheit (57 %) orientiert sich bei der Parameterwahl an
der eigenen Erfahrung. Herstellerangaben und wissenschaftliche
Evidenz werden seltener genannt.
Korundstrahlen wird laut Umfrage am häufigsten bei
Zirkonoxid eingesetzt (83 %), gefolgt von PMMA-basierten
Kunststoffen (56 %), Legierungen (55 %) und indirekten/
semidirekten Kompositen (54 %). Bei Silikatkeramiken
kommt es deutlich seltener zur Anwendung (28 %). Bei
über der Hälfte (57 %) wird die zu behandelnde Oberfläche
vorab nicht speziell vorbereitet, ein Drittel nutzt Wasserdampf,
12 % markieren mit Bleistift oder Filzstift. Rund
ein Viertel der Teilnehmer gab an, dass die korrekten Parameter
für Zirkonoxid, Polymerrestaurationen oder Legierungen
unklar sind. Nur 41 % können sich vorstellen,
Korundstrahlen bei Silikatkeramiken als Alternative zur
Flusssäureätzung einzusetzen. Ob eine bereits gestrahlte
Restauration nach der Anprobe erneut behandelt werden
soll, beantworteten die Teilnehmer nahezu hälftig: 48 %
würden das Korundstrahlen wiederholen, 52 % nicht.
Unter den Zahnärzten gaben 86 % an, dass sie eine Zirkonoxidkrone
nach provisorischer Befestigung mit eugenolhaltigem
Zement, konventionell zementieren würden.
Universaladhäsive wurden für Zirkonoxid von 47 % und
für Silikatkeramik von 59 % der befragten Zahnärzte verwendet.
Knapp 64 % verwendeten für Zirkonoxid ein
MDP-haltiges Adhäsiv, 56 % für Silikatkeramik ein Silan.
Bei beiden Fragen gab etwa jeder zehnte Zahnarzt an,
dass ihm die Zusammensetzung des Adhäsivsystems unklar
sei. Drei von vier Teilnehmern (76 %) wünschen sich
mehr Ausbildung zum Thema in Studium, Ausbildung
oder Fortbildung.
Was sind die 23 Empfehlungen
des Expertengremiums?